Ein Witz namens dataportability.org

An mehreren Stellen wurde diese Woche etwas über eine Site namens dataportability.org geschrieben (aus Absicht nicht verlinkt), meist mit löblicher und erwartungsvoller Einstellung dazu. Der einzige Content dieser Site, neben ein paar Wikipedia-Links zu offenen Datenformaten bzw. Protokollen ist folgender Absatz:

Standardized Data Portability is the next great frontier for the web. As users, our identity, photos, videos and other forms of personal data should be discoverable by, and shared between our chosen tools or vendors. We need a DHCP for Identity. A distributed File System for data. This page will list the standards and contributors who are making it happen.

Das hört sich erstmal super an und im Grunde wäre eine solche Ressource ja sehr wünschenswert. Aber vom aktuell spärlichen bzw. nicht vorhandenen Inhalt (Wikipedia ist ja auch sowieso schon die beste Ressource für die verschiedenen Themen) einmal ganz abgesehen, sollte man als Webentwickler lieber nicht in den Quelltext der Seite schauen, denn dann trifft den versierten Standardista erstmal der Schlag. Gräusliges Tabellenlayout, fehlender DOCTYPE, FONT wohin man schaut, und so weiter und so fort. Und dann auch noch genau an der Stelle, wo eine Tabelle eigentlich Sinn machen würde, keine Spur davon (außer für eine völlig hanebüchene Positionierung).

Ein Projekt, das offene, zukunftsträchtige Standards fördern will und auf der eigenen Website mit 10 Jahre alten, längst etablierten Standards wie HTML und CSS radikal bricht? Ein grober Witz in meinen Augen und durch nichts, aber auch gar nichts zu erklären.

In diesem Rant heißt es also erstmal: Setzen, 6! Solange, bis da was Anständiges draus wird. Bis dahin halte ich das Projekt einfach mal für ein bisschen Aufmerksamkeitshascherei und/oder Linkbaiting erster Güte. Vielleicht überzeugt mich ja jemand vom Gegenteil.

Irgendwie erinnert mich das auch ein wenig an das Barcamp in Zürich letztes Jahr, wo jemand eine Session zu Microformats gemacht hat und im Codebeispiel auf dem Beamer völlig unsinnige, redundante Klassennamen für jeden einzelnen Absatz zu sehen waren. Soetwas geht überhaupt nicht in meinen Kopf hinein, denn bevor jemand das Prinzip von Microformats vollständig verstehen kann, müsste er sich doch eigentlich mit den zugrundliegenden Standards auskennen, oder nicht? Das kam dann damals so ein bisschen rüber wie “Hey (Ihr Hobbyblogger), schaut mal mit was für einem neuen, nerdigen, fancy Webzwonullzeug ich mich jetzt beschäftige. Cool, nicht?” Das T-Shirt mit dem netten MF-Logo tat natürlich seinen Teil dazu. ;)

Was zu sagen? Nur zu …

Einen Kommentar schreiben

Du kannst Textile benutzen um den Kommentar zu formatieren.