Die Outlook-Katastrophe

Ich bin mir nicht sicher, warum die deutschsprachige (Webstandards)-Blogosphäre so ruhig bleibt ob der katastrophalen Entscheidung von Microsoft, die vor ungefähr einer Woche bekannt wurde. Hat es noch keiner mitbekommen? Nein, das kann es auf keinen Fall sein ich eigenlich kaum glauben, denn es geht um ein wirklich großes Thema. Schon viel eher möglich ist, dass Ihr alle genauso baff seid wie ich und gar nicht wisst, was Ihr schreiben sollt. Falls trotzdem noch jemand nicht mitbekommen hat, wovon ich rede, hier nochmal für alle zum Mitschreiben:

Microsoft Outlook 2007 wird zum Anzeigen der e-Mails anstatt der Rendering Engine des Internet Explorer die von Microsoft Word nutzen und damit beim CSS-Support ungefähr auf das Level von IE 5.0 zurückschreiten!

Das bedeutet für uns Webdesigner: Strictly Tabellendesign, Inline-CSS, keine Formulare, keine Hintergrundbilder, 1996 in da house. Zumindest im Moment. Netterweise stellt Microsoft eine Übersicht über alle unterstützten und nicht unterstützten Elemente der jeweiligen Spezifikationen zur Verfügung. Es gibt sogar ein Tool zur Validierung der eigenen e-Mail-Templates, natürlich nur für WIndows.

David Greiner, verantwortlich für die wunderbaren Newsletter-Lösungen CampaignMonitor und MailBuild hat vor kurzem eine umfangreichere Zusammenfassung zum Thema in deren Blog veröffentlicht, in welcher er sich nebenbei gründlich den Frust von der Seele schreibt. Würde ich auch, wenn Newsletter mein einiziger Job wären!

Molly Holzschlag, ehemals Kopf der Microsoft-Taskforce des Webstandards Project, geht dagegen sehr pragmatisch an die Sache ran, hat sich bereits mit Microsoft in Verbindung gesetzt und fordert in ihrem Blog dazu auf, eine Liste mit allen Wünschen der Webdesigner zusammenzustellen. Irgendwie verstehe ich nur den Sinn dahinter nicht so richtig. Es ist doch offensichtlich, dass wir – egal ob Browser oder Mailclient – einfach nur die aktuellen Spezifikationen möglichst vollständig in jegliche Anzeigesoftware für selbige implementiert haben wollen. Was soll da dieses Kindergarten-Theater mit Vorschlägen an Microsoft? Die sind doch selbst Mitglied der Organisation, welche die “Empfehlungen” formuliert hat. Und wenn sie unbedingt hundertprozentige Kompatibilität mit dem Editor zum Verfassen der e-Mails haben wollen, dann sollen sie halt diesen anpassen und nicht umgekehrt.

So oder so – wir müssen uns darauf gefasst machen, unsere Newsletter demnächst wieder so wie vor 5 Jahren zu coden und anstatt Fortschritt auf dem Gebiet massive Rückschritte in Kauf nehmen. Prost Mahlzeit.

8 Reaktionen zu “Die Outlook-Katastrophe”

  1. Gravatar Julian Schrader

    Krass. Ich wusste es wirklich noch nicht — sind die denn wirklich total bescheuert?

    Das gibts doch echt nicht. Ich dachte dass es sogar bei Microsoft ein Unfall ist, wenn man die Zeitmaschine auspackt und sich eine Version seines Produktes aus der Vergangenheit wiederholt.

  2. Gravatar Sebastian Kippe

    Nun ja, es ist zwar die brandneue Word 2007-Engine, aber die beherrscht eben essentielle Dinge wie float oder background nicht. Irgendwie ist es auch einfach sinnlos eine Textverarbeitung für das Anzeigen von HTML-Content zu verwenden, oder?

  3. Gravatar Wolf

    Newsletter, die nicht in nur-text kommen, abonniere ich eh nur bis zum ersten Eintreffen. Dann wird abbestellt oder auto-löschen eingestellt. Ich will das Fleisch, nicht das Brötchen. In meiner Altersgruppe wird Outlook nur benutzt, wenn die Firma das vorschreibt, sowie es eine Alternative gibt steigen die Leute um. Die große Firma ist mir seit dem Umstieg auf Mac sowieso ziemlich egal, sollense doch.

  4. Gravatar Sebastian Kippe

    Ich verstehe dich voll und ganz, und selbst habe ich sowieso nur noch sehr wenige Newsletter abonniert, aber für größere Unternehmen ist der Newsletter eben noch ein sehr wichtiges Marketinginstrument, welches auch von vielen Otto Normalverbrauchern noch gerne genutzt wird. Als Webdesigner hat man leider gar nicht die Wahl nur noch Plain-Text-Newsletter zu entwerfen, sondern wird so oder so weiter HTML-Newsletter produzieren müssen, nur eben demnächst wieder mit uralten Mitteln.

  5. Gravatar Jeriko One

    Och, vorbei gegangen isses an mir nich, nur halt in einem anderen Kontext ;-)

    Egal! Was die Verantwortlichen bei MS da wieder geritten hat ist mir auch noch nicht so ganz klar. Ich persönlich bin auch kein Freund von HTML-Mails, aber im Berufsleben wird man damit immer wieder konfrontiert, gerade weil man davon ausgehen kann, dass in 90% der Fälle Outlook als Email-Client eingesetzt wird. Umso schwerer wiegts.

  6. Gravatar Thomas

    Hab diese erschreckende Nachricht vor kurzem auch aufgeschnappt (auf englischsprachigen Seiten). Einerseits bin ich ja bekennender Hasser von HTML-Mails, andererseits will man doch möglichst viel Webstandards-Unterstützung. Vielleicht wird das mal wieder auf die Bedeutung der Webstandards aufmerksam machen und eines Tages die Word-/Outlook-Engine verbessern, wenn nun die Newsletter-Firmen aufschreien und sich beschweren, dass einfachste Layouts nicht mehr möglich sind.

    Und womögich dies ist ein weiterer Anreiz für einige (Privatleute), auf andere Mail-Programme auszuweichen, die mit HTML auch umgehen können.

  7. Gravatar Pingback von: Peter Kröner - Design, HTML, CSS, PHP » Archiv » Volle Kraft zurück

    […] Warum beschwert sich niemand darüber, dass Microsoft Outlook 2007 HTML-Mails mit MS Word (!) statt wie bisher mit dem Internet Explorer zu rendern gedenkt? Eine nicht unberechtigte Frage die ich da beim ziellosen Umhersurfen fand. Die Liste der als Resultat nicht unterstützten CSS-Features kann man als stattlich bis erschreckend bezeichnen: […]

  8. Gravatar Pingback von: /bin/basti » Endlich: das Email Standards Project ist da!

    […] völlig unterschiedlich zu rendern. Außerdem gab es auf dem Gebiet der e-Mail-Clients z.B. bei Microsoft Outlook vor kurzem sogar große Rückschritte anstatt Fortschritte. Es ist also viel zu […]

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