Feeding John Dvorak
CSS ist schon verwirrend. Zumindest laut John Dvorak, der beruflich auch ganz gerne mal die Mac Community gegen sich aufhetzt. Sein kürzlich erschienener Artikel im PC Magazine ist jedoch sowas von lächerlich, dass man den gar nicht so unbekannten Schreiberling eher als Troll denn als professionellen Redakteur einstufen wird, sofern man sich ein wenig in der Materie auskennt.
Natürlich konnte sich nach den teilweise ungeheuerlichen Anschuldigungen von Seiten Dvoraks auch die Webstandards-Szene zahlreicher Antworten nicht erwehren. Molly Holzschlag z.B. bot ihm einen privaten Intensivkurs in CSS an, Andere wiederum beließen es bei ausführlichen, fachlich fundierten Antworten.
Soweit, so gut. Aber irgendwie fragt man sich doch, warum ein eigentlich ziemlich erfahrener Online-Journalist – wenn er schon eine Kritik zu einem ihm nicht sehr geläufigen Thema verfasst – gleich soviel unbegründeten Mist auf einmal aus der Feder lässt. Ein Video auf Youtube liefert die Antwort. Joshua Bryant wird konkreter:
From my understanding of watching the video, Dvorak had a certain strategy when writing online content, especially targeted at Apple users. He would first write up a post claiming how something was incredibly harder on a Mac than it was on a windows based computer, or something that would get Apple users completely offended and up in arms. He then would watch the apple community freak out, and every single blogger, news site and forum out there talking about it would of course link to his blog, therefore providing more page-views, therefore providing more advertising revenue.
After a good couple weeks of this, as soon as the page views would start to decline, he would write a post that was creatively typed, basically admitting that he was wrong in many ways but still right in some. This of course would spawn even more traffic than the first round. Bloggers and anyone else in the tech community would write about how they proved him wrong and how he admitted what an idiot he was. Traffic goes up, ad revenue again goes up.
…
So Dvorak did a very smart thing. He simply used his previous strategy on a new group of people, and they all fell right into it. You all fell right into it. Seriously.
Do you really think that he was serious when he mentioned how much CSS sucks? I mean, do any of you out there really believe that this nut case really believes the shit that comes out of his computer? Of course he doesn’t. It’s common sense that CSS is superior to styling within the HTML, that’s been proven time and time again. The entire goal of his post was not to communicate how much he dislikes CSS, but instead to piss as many of you off as possible. Because he knows as soon as he does that, there are going to be thousands of blog posts, ranting about what an idiot he is, and all linking back to his blog. Effectively making him a lot of money. And I’ll bet you $100 dollars in a couple of weeks or maybe sooner he’ll be writing his “follow up” post about how he was wrong and maybe for certain things CSS is really nice.
Alles klar?
Am 30. Juli 2006 um 09:29 Uhr
Davon ging ich auch aus, weshalb ich ihn nicht verlinkt habe. Darüber hinaus ist aber was dran. Er scheint vieles davon wirklich so zu glauben. Und die Anschlussdiskussion zeigt, dass es einige gibt, die ernshaft der Meinung sind, dass es früher besser war. Die Diskussion dort hat teilweise ein unterirdisches Niveau. Wenn ich schon Bezeichnungen lese wie “standards-groupies”, wird die Motivation dahinter ganz klar.
Es war einmal ein Webentwickler. Eines Tages kam ein neuer Webdesigner zu ihm und brachte ihm ein neues standardbasiertes und zugängliches HTML-Template vorbei. Der Webentwickler war ganz traurig. Er musste jetzt seine Module umschreiben, damit sie sauberes, sinnvolles HTML auspucken konnten. Nur damit von nun an auch Sehbehinderte, Blinde, verschiedene Browser usw. mit der Website umgehen konnten.
Wer in dieser Branche arbeitet, hätte vorher wissen sollen, dass es hier etwas dynamischer zugeht als anderswo. Dass sich Dinge weiterentwickeln und oft auch von Grund auf ändern. Ich denke, dass die Bequemlichkeit manche Leute zu solchen Äußerungen veranlasst. In der Zwischenzeit hätte man schon mal das en oder andere Modul umschreiben können.
Am 30. Juli 2006 um 18:44 Uhr
Bequemlichkeit ist sicher ein Grund dafür. Meines Erachtens ist jedoch das größte Problem, dass den Leuten – meistens von Seiten verschiedener Softwarehersteller – vorgegaukelt wird, dass Jeder, selbst Menschen ohne HTML-Kenntnisse, in kürzester Zeit eine Website erstellen kann.
Es gibt imho einfach zu viele Hobby-Webdevs da draußen, die nicht anerkennen wollen (und es eben oft nicht besser wissen), dass wir einen richtigen Beruf ausüben. Und dass es Zeit, technisches Verständnis, Lernprozesse und Erfahrung braucht, um den Job richtig zu machen. Vor allem aber die Fähigkeit und den Willen über den Tellerrand zu blicken, um sein Coding den äußerst variablen Anforderungen des Internets und seiner Benutzer anzupassen.
Ich sage nicht, dass es besonders schwierig ist, die paar Webstandards, die es gibt richtig zu verwenden – im Gegenteil. Ich sage, dass zu viele Entwickler/Designer sich ganz einfach aus Mangel an Respekt für HTML und CSS nicht damit auseinandersetzen und infolge dessen schlicht den Sinn und Zweck der Technologien nicht verstehen.
Typisches Beispiel sind hier oft ASP/PHP/Whatever-Programmierer. Da höre ich dann so Sätze wie “HTML ist doch schei…, ich mach alles in PHP”. Auf der anderen Seite stehen Grafiker und Mediengestalter, die ihre Websites komplett in Photoshop erstellen und den Exportfunktionen vertrauen oder gleich alles an Flash realisieren. Letztere sind meistens besonders ignorant.