Foren vs. Blogs

Unter genau dieser Überschrift habe ich seit ungefähr 2 Monaten eine Beitragsvorlage in Wordpress gespeichert, die ich bis heute nicht fertig geschrieben habe. Heute schreibt Gerrit auf praegnanz.de mit fast identischem Titel zu genau diesem Thema, was mich zwar gezwungen hat meinen bisherigen Text zu löschen, aber auch den von Gerrit zu ergänzen.

Äpfel oder doch lieber Birnen?

Das ist hier die eigentliche Frage. Man könnte meinen, dass hier zwei Kommunikationsformen verglichen werden, die grundsätzlich dasselbe Ziel verfolgen – den fachlichen Austausch über konkrete Themen, angestoßen von einem Startbeitrag. Blogs und Foren unterscheiden sich jedoch im Normalfall grundlegend in der Absicht der Themenstarter.

Während in den meisten Foren der Themenstarter ein Hilfesuchender ist, der eine Frage zu einem konkreten Problem oder Thema stellt, sind die Autoren der Fachblogs in der Regel bei ihrem Startbeitrag schon entweder Hilfesteller, die der Welt ihre Lösung eines Problems vorstellen möchten, oder zumindest dezidierte Diskussionsstarter, die bereits eine eigene, meist fachlich begründete Meinung zum angesprochenen Thema besitzen und diese im Laufe der darauffolgenden Diskussion vertreten werden.

Was ist besser?

Man ist natürlich verleitet, die Frage zu stellen, welche der beiden Formen besser ist und oftmals haben sich die Verfechter beider Seiten in der Vergangenheit mit Argumenten befeuert, warum “ihr” Medium das effektivere, interessanter, ja einfach tollere ist. Die einfache Antwort: Keines von beiden! Im Gegenteil, je nach Bedürfnis von Autor oder Leser haben beide ihre Vor- und Nachteile, und letztendlich ergänzen sie sich dadurch nur. So werden konkrete Fragen in einem Forum meist viel schneller beantwortet, während die Beiträge in einem Weblog oft noch lange Zeit später interessante Diskussionen beherbergen, welche natürlich von einem viel größeren Personenkreis gefunden, gelesen und ergänzt werden.

Fachlich gesehen sind Weblogs daher sicherlich das interessantere Medium für den öffentlichen Austausch unter einem professionellen Publikum. Direkte Hilfe können sie jedoch nur passiv leisten. Oft haftet den Foren leider auch ein gewisses Amateur-Image an, weil natürlich nicht nur Fortgeschrittene und Profis, sondern auch Themenneulinge dort ihre Fragen stellen. Das spricht jedoch keineswegs für bzw. gegen die Expertise vieler Forenstammbesucher, wie ich z.B. im XHTML-Forum oft genug erfahre. Und es ist auch kein Grund Foren nicht aktiv zu nutzen, nur weil die Hälfte der Beiträge einfach nicht interessiert. Keine Fragen mehr stellen zu müssen, würde bedeuten entweder alle Bücher zu allen Themen im Regal stehen zu haben, jede Antwort zu jeder Aufgabenstellung im Internet zu finden oder bereits alles zu wissen. Höchst unwahrscheinlich also in unserem atemberaubend schnell fortschreitenden Internetzeitalter.

Fazit

Mein Fazit ist daher einfach nur die Widerspiegelung meines persönlichen Arbeitsalltags: Ich lese täglich ungefähr 150 Blogs, aber nur wenn mich die Schlagzeilen interessieren. So gelange ich ständig zu guten Fachartikeln, interessanten Essays und vielseitigen Diskussionen, von denen ich neue Dinge lernen kann.

Genauso lese ich einige fachlich kompetente Foren, und auch hier nur die Beiträge, deren Titel mir ins Auge springen. Wenn ich eine Frage habe, die ich mir nach höchstens 30 Minuten Internet-Recherche plus ähnlich langer Denkzeit nicht beantworten kann, dann frage ich in einem Forum zum Thema nach, von dem ich weiß, dass die richtigen Leute es demnächst lesen und beantworten und vielleicht sogar über verschiedene Lösungen diskutieren werden. Beide Formen des aktiven Austauschs sind für mich unverzichtbar und werden es sicherlich noch lange bleiben.

Der wahre Grund

Gerrit ist in seinen Ausführungen wenigstens so ehrlich zuzugeben, warum er Foren nicht so gerne nutzt…

Ich bin kein Forums-Mensch, glaube ich. Vielleicht bin ich einfach zu aufmerksamkeitsgeil, um mich nur als gleichberechtigter Teil einer Gruppe zu sehen. Vielleicht bin ich zu sehr Rampensau. Wahrscheinlich.

Auch ne Einstellung. Meine ist es nicht.

Was zu sagen? Nur zu …

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